Artikelformat

True Blood – Neue Staffel bei HBO

Vergiss die Twilight-Saga. Das ist Teenager-Grütze, die pubertierende Kleinmädchen-Fantasien bedient.

True Blood ist die moderne Adaption des klassischen Unschuldiges-Mädchen-Verliebt-Sich-In-Vampir-Motives.

Soweit ist dies nichts Neues. Wäre da nicht Alan Ball. Seines Zeichens Schöpfer und Drehbuchautor solch wundervoller Filme und Serien wie American Beauty (für sein Drehbuch erhielt er damals völlig zurecht den Oskar) und der Familiensaga Six Feet Under. Nun also seine neue Serie – und diese handelt ausgerechnet von Vampiren. Stellt sich die Frage: Wollte Ball dem Hype gerecht werden? Schließlich verkaufen sich Stephanie Meyers Twilight-Bücher zur Zeit vor allem in den USA wie geschnitten Brot.

Die eindeutige Antwort darauf lautet: Jein! Die Serie “True Blood” basiert ähnlich der Twilight Filme (der zweite Teil wird wohl noch dieses Jahr im Kino anlaufen) auf einer Romanreihe. Hier dienen als Vorlage die Sookie Stackhouse-Novels der Autorin Charlaine Harris, die schon seit 2001 an dieser Reihe schreibt.

Sookie lebt in einer Südstaaten-Kleinstadt in den USA und verliebt sich in den Vampir Bill, der von der Dorfgemeinde teils begeistert, teils äußerst kritisch als neuer Nachbar aufgenommen wird.

Die Voraussetzungen für Vampire haben sich in der fiktiven Gesellschaft der “Southern Vampire” (so eine weitere Bezeichnung für die Romanreihe Harris’)-Welt geändert. Nur noch selten wird die bluttrinkende Community als das wahrgenommen, wofür man sie jahrhundertelang hielt: für unkontrollierbare Bestien. Vielmehr mischen sich die Vampire nun in das gesellschaftliche Leben ein, sind politisch aktiv, haben Jobs. Auch wenn dies freilich nur nachts passieren kann. Denn soviel Klischee muss sein: Tagsüber sind die Blutsauger nur schwerlich überlebensfähig (diese leidvolle Erfahrung muss Bill auch gegen Ende der ersten Staffel machen).

Der auffälligste Unterschied zur Twilight-Saga ist ein klassisches Vampir-Motiv: Die Erotik.
Anders als in den Romanen der Mormonin Stephanie Meyers gewohnt, sind sich alle Bewohner der Kleinstadt durchaus ihrer Sexualität bewusst. Ja, sie sind sich dessen sogar so sehr bewusst, dass es aus diesem Grund immer wieder zu klassischen Konflikten kommt. Begierde, Eifersucht, Verlust.

Und dies sind Begriffe, die typisch für das Werk von Alan Ball stehen. In True Blood zeigt Ball wieder einmal, dass es ihm nicht um Effekte, sondern um die Konflikte im Menschen und zwischen den Menschen geht. Er zeigt Beziehungen, die erfüllt werden oder scheitern. Er zeigt die menschlichen Abgründe in kleinen Gesten, die große Effekte nach sich ziehen können. Man denke nur an den Nachbarn in American Beauty, der sich in den Hauptcharakter Lester verliebt, aufgrund seiner militärischen, konservativen Vergangenheit aber seine Homosexualität nicht zulassen kann und will.

Relationen zwischenmenschlicher Natur werden in Alan Balls Entwürfen immer ein Motiv sein. So auch in True Blood. Teilweise sehen wir den Charakteren minutenlang zu, wie sie miteinander interagieren und erfahren so mehr von ihnen als durch große Gesten und romantisches Getue in den Twilight-Büchern. Alan Ball hat mit True Blood somit nicht nur eine spannende Serie über das Zusammenleben von Menschen und Vampiren erschaffen – er zeigt uns dabei vor allem ein Sittengemälde der Neuzeit, am Beispiel einer kleinen Stadt im südlichen Teil Amerikas.

Die zweite Staffel von True Blood startet kommenden Sonntag, den 14. Juni 2009, auf HBO.

Foto: Cаvin (cc)

1 Kommentar

  1. True Blood Fan

    12/06/2009 @ 09:11

    Ich steh auch total auf True Blood, hab die Serie vor kurzem entdeckt… Sookie und Bill, einfach nur cool!

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*